„Äxgüsi… ich geh jetzt da mal durch“

Regula und ich verbringen gerade ein paar erholsame Tage in Baden-Baden. Draussen regnet es, und so bin ich beim gemütlichen Surfen im Hotelzimmer auf diesen Blogbeitrag von Jens-Rainer Wiese gestossen.

Friedrichsbad in Baden-Baden.

Obwohl ich die deutsche Art, welche etwas direkter ist als die schweizerische, auch von gelegentlichen Besuchen in Konstanz eigentlich kenne, braucht es doch jedesmal wieder eine gewisse Angewöhnungsphase. Da steht man in der Buchhandlung nichts Böses ahnend vor dem Regal, und plötzlich hört man von links: „Ich geh jetzt da mal durch“, und bevor ich Zeit habe, den Kopf zu wenden, ist sie auch schon an mir vorbeigewalzt, zehn Zentimeter an meiner Nase vorbei. Unhöflich…? Als Schweizer könnte man das durchaus so empfinden, und man redet sich dann ein, dass man das hier halt so macht. Doch vielleicht ist das ja auch in Deutschland unhöflich.

Doch an sich sagt mir die direktere Art der Deutschen durchaus zu. Alles in allem erlebe ich die Leute hier als sehr entspannt. Man ist schnell miteinander im netten, unverbindlichen Gespräch (und wenn man gerade sich im Friedrichsbad aufhält, dies sogar textilfrei und geschlechtergemischt). Die direkte Kommunikation ohne langes Einführungsritual: Man kann sie – zum Beispiel – auch in Nordamerika, Frankreich oder Thailand erleben. Nur in der Schweiz scheinen wir uns damit etwas schwerer zu tun.

Doch es gibt sie durchaus. Als Gelegenheits-Postautofahrer im Thurgau erlebe ich meine Kundschaft nicht immer so reserviert, wie sie Wiese beschreibt. Spontane Diskussionen mit der Kundschaft sind durchaus an der Tagesordnung – auch mit Leuten, die ich nicht kenne und nicht aus der Gegend sind. Längst abmontiert ist in unseren Fahrzeugen auch das Schild mit der Aufschrift: „Es ist verboten, während der Fahrt mit dem Chauffeur zu sprechen“. Doch ich weiss genau, was Wiese meint. Das eisige Schweigen aus dem Fahrgastraum, das mir auf eine spontane, nach hinten gerichtete Bemerkung entgegenschlägt, ist mir durchaus vertraut. Ich halte dann die Klappe und denke mir: „Aha… Kundschaft aus der Stadt.“

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